La Lauzeta Alte und traditionelle Musik

Lavinia

„Lavinia“ ist ein in Arbeit befindliches Projekt, in dem die Geschichte der Lavinia aus dem mittelalterlichen Eneasroman bildlich, hörbar und zum Mitlesen dargestellt wird.
Der Eneasroman, auch ‚Eneide‘ genannt, erzählt die Geschichte von Eneas (oder Aeneas), der aus dem brennenden Troja flieht, um nach langer Irrfahrt sein von den Göttern bestimmtes Schicksal zu erfüllen und das römische Volk zu begründen. Der Minnesänger Heinrich von Veldeke, der im 12. Jahrhundert im heutigen Belgien lebte, hat den Stoff als Grundlage für seine Geschichte verwendet, die Charaktere sind aber deutlich seiner eigenen Zeit entsprungen.

Lavinia ist ein junges Edelfräulein, das dem Fürsten Turnus versprochen ist, aber nach dem Willen der Götter für Eneas bestimmt ist. Aus ihrer Sicht wird hier erzählt, ihre Gedanken und ihre Liebesqualen sind das Zentrum dieser Geschichte, nicht die Heldentaten der Männer und nicht die dahinterstehende Politik – obwohl diese natürlich Einfluss auf sie haben.

Die Geschichte der Lavinia wird hier auf dreierlei Art erzählt: Zum Hören auf Mittelhochdeutsch, zum Mitlesen im aktuellen Hochdeutsch, und zum Anschauen mit Figuren, die aus der Manessehandschrift entnommen sind.

Teil 1: Die Unterredung
Die Königin, Lavinias Mutter, ruft Lavinia zu sich und legt ihr ans Herz, den Fürsten und Helden Turnus zu lieben, und Eneas zu hassen. Lavinia weiß aber noch gar nicht, was Liebe bzw. Minne ist.

Teil 2: Was ist Minne?
Die Königin erklärt Lavinia, was Minne ist; Lavinia sieht aber nicht ein, warum das etwas Gutes sein soll und lehnt es ab, überhaupt jemanden zu lieben.

Teil 3: Eneas reitet aus
Lavinia sieht Eneas bei einem Ausritt und verfällt ihm augenblicklich in Minne.

Teil 4: Die Regeln der Minne
Lavinia erkennt die Regeln der Minne.

Teil 5: Lavinia liebt den Falschen
Lavinia erkennt, dass sie Eneas liebt, statt Turnus, wie ihre Mutter ihr befohlen hat.

Weitere Teile sind in Arbeit.

Technisches:
Die Idee, die Manessehandschrift für die Figuren der Geschichte zu ‚plündern‘ entstand, weil dort große Mengen an Bildmaterial aus ungefähr der richtigen Zeit zur Verfügung stehen. Nicht nur Minnesänger und sonstige Herren, auch Damen, Kinder, Jünglinge und Beiwerk wie der geblümte Helm der Minne sind dort in großer Zahl und stilistisch einheitlich vorhanden. Die Figuren nehmen verschiedene Haltungen ein und sind in ihren Gesichtszügen so ähnlich, dass man mit ihnen sehr gut eine zusammenhängende Geschichte erzählen kann.

Am Anfang einer Szene steht das Finden der richtigen Figur für das angestrebte Bild. Bei der Suche lasse ich mich von den Bildern der Manessehandschrift oder vom Text selbst inspirieren. (Also entweder: Dieses Bild zeigt offensichtlich Lavinia außer sich vor Liebe; oder: Ich brauche dringend noch ein galoppierendes Pferd – wo finde ich das?) Diese übertrage ich in ihren wesentlichen Linien auf eine Aktenhülle, die wieder eingescannt werden muss. Im Bildbearbeitungsprogramm Fireworks wird dann nachbearbeitet, geweißt, Nasen, Gesichtsumrisse und Hände geschönt. Dieser Arbeitsschritt ist sehr zeitaufwendig. Die fertigen Figuren werden dann in dem gleichen Bildbearbeitungsprogramm auf das passende Hintergrundbild gesetzt.

Die Hintergründe stammen aus einem meiner Kunstprojekte und mussten nur noch eingescannt und zugeschnitten werden. Sie sind inspiriert von den Hintergrundmustern aus verschiedenen mittelalterlichen Handschriften.

Schließlich muss noch die Übersetzung auf den Balken am unteren Bildrand gesetzt werden. Für die Übersetzung habe ich mich in verschiedenen Quellen informiert (u.a. im Reclam-Heft des Eneasromans, in der Ausgabe der Bibliothek des Mittelalters, Hrsg. Hans Fromm), dann aber teilweise eine abweichende Übersetzung gewählt.

Für die Audio-Spur habe ich den Text passend gekürzt, den jeweiligen Abschnitt auswendig gelernt (das tut dem Ausdruck gut) und dann in unserem Wohnzimmer-Studio mit Textunterstützung eingesprochen (Dank gebührt meinem Mann, dem heldenhaften Aufnahmetechniker). Das musikalische Vor- und Nachspiel stammt aus dem Minnelied ‚Tristran‘ von Heinrich von Veldeke, bei dem mich Johannes Vogt auf der Laute begleitet hat.

Die verschiedenen Bildtafeln und Audiospuren habe ich in Windows Movie Maker zu einem Film zusammengesetzt.